Der Wecker klingelt Birgit und mich um 3 Uhr morgens aus dem Schlaf. Jetzt ist er da. Der Tag, der immer so weit weg war. Ich bin aufgeregt, Birgit hilft mir bei den letzten Vorbereitungen. Um 4 Uhr treffen wir uns mit unseren Tri- Freunden und fahren mit dem Shuttlebus zum Langener Waldsee. Ein mulmiges Gefühl durchdringt meinen Körper. Ich weiß, ich kann 3,8 km schwimmen, ich kann 185km Rad fahren und ich kann 42km laufen. Aber alles an einem Tag, heute? Hochsommerliches Wetter lässt die Wassertemperatur auf über 25 Grad C ansteigen. Neoprenverbot! Na klasse! Aber genau deshalb habe ich ja das letzte Jahr mit euch trainiert. Wir, Yvonne, Jan, Micha und ich stehen am Ufer. Race day, heute, jetzt. Ich muss müssen müssen. Aber dafür bleibt keine Zeit mehr. Die Startkanone schickt die Profis um halb sieben ins Nass. Die restlichen 3000 Athleten werden alle 5 Sekunden zu zehnt ins Wasser gelassen. Was für ein Haifischbecken, was für eine Kulisse. Irgendwann, so nach einem Kilometer, bin ich im Flow. Ich höre Stimmen. Rollwende, zur Strafe Delphin, zieh an und hinten raus zählt es besonders. Ich muss lachen. Weit und breit keine Wand zum Abdrücken. Und wo hin soll ich ziehen. Vor mir, hinter mir, unter und über mir Schwimmer. Aber danke Jutta, danke Andi für die vielen Stunden am Beckenrand. Davon profitiere ich jetzt. Nach 1.21h erreiche ich den Schwimmausstieg. Die Auftaktdisziplin ist abgehakt. Der Wechsel aufs Rad verläuft zügig. Für die abwechslungsreiche Strecke durchs Frankfurter Hinterland benötige ich länger als geplant. Es ist warm, nein, heiß. Ich trinke auf der Tour 20 Liter isotonische Getränke. Nach 6.55h biege ich ab in die letzte Wechselzone. Zu diesem Zeitpunkt ist der Sieger schon im Ziel. Was für eine Leistung! Mir bleiben jetzt noch 42km bis zu meinem Ziel. Dieses Ziel habe ich Jahr für Jahr vor mir her- geschoben. Nun ist es mit Händen greifbar. Die erste von vier Runden am Mainufer läuft sich rund. Nach der Zweiten rufe ich Birgit, die unermüdlich am Streckenrand die Stellung hält, zu: „Jetzt ist es nur noch ein Halbmarathon“. Aber ich bekomme Probleme. Durch das ständige Kühlen sind meine Schuhe triefend nass und ich habe mir Blasen gelaufen. Die Füße wollen nicht mehr zu den Schuhen passen. Nach Laufen kommt Gehen. Die Zeit verrinnt und die Kräfte auch. Hier und heute. Aufgeben zählt nicht! Um 22 Uhr schließt die Ziellinie. Danach kommt man nicht mehr in die Wertung, erhält nicht diese Medaille mit der Inschrift: „You are an Ironman“. Wie war das nochmal? Hinten raus zählts. Ich lache nicht mehr, aber ich weiß, ich schaffe es. Um halb zehn erreiche ich nach 14.39 h mein Ziel. Das war meine erste Langdistanz. Aber vielleicht nicht meine Letzte. Dafür habe noch eine Rechnung offen…Zuerst einmal mache ich jedoch ein paar Jahre Pause. Aber nicht ohne mich bei allen zu bedanken, die an diesem Tag, wie auch immer bei mir waren. Ohne euch hätte ich es wohl nicht geschafft. Danke, euer Herbert

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